Unternehmensgründungen, Migration und Fachkräftemangel


In dieser Folge von SpacEconomics spricht Björn Braunschweig mit Susann Schäfer über Unternehmensgründungen, Migration und Fachkräftemangel sowie darüber,

  • welche Vorteile Migration für Regionen bringt,
  • was Fachkräftemangel und Netzwerke von Gründungsökosystemen miteinander verbindet,
  • welche Unterstützungsleistungen Start-Ups und ihre Ökosysteme benötigen,
  • was „normale“ und innovative Unternehmensgründungen unterscheidet,
  • was unter „born globals“ verstanden werden kann und
  • wie es eigentlich passiert, dass WissenschaftlerInnen an einem Forschungsbereich kleben bleiben.

Fragen, Kommentare, Anregungen und Themenwünsche gern in die Kommentarbox schreiben.

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The Long Read

In dieser Folge von SpacEconomics beschäftigen sich Björn Braunschweig und Susann Schäfer mit Unternehmensgründungsforschung und dem Habilitationsprojekt von Susann Schäfer. Dabei liegt der Schwerpunkt von Susann Schäfers Forschung neben innovativen Unternehmensgründungen vor allem auf den transnational linkages der GründerInnen mit Migrationsgeschichte, also jenen Verbindungen, die Personen auch nach ihrer Migration beibehalten: „Wenn Personen von einer Region in eine andere migrieren, erhalten sie ihre Verbindungen – das können private oder berufliche Netzwerke sein – weiterhin aufrecht. Im Zuge der Digitalisierung wird das auch immer einfach und günstiger. Und diese transnationalen Verbindungen sind auch für ihre wirtschaftlichen Praktiken interessant.“, erklärt Susann Schäfer.

„Gründerinnen und Gründer mit Migrationsgeschichte haben besondere Fähigkeiten und Kompetenzen
und können so  auch einen besonderen Beitrag zur regionalen Entwicklung leisten.“ – Susann Schäfer

Dabei profitieren Regionen direkt und indirekt von diesen transnationalen Verbindungen. „Das können Vorteile in der Internationalisierung sein, wenn zum Beispiel neue Märkte angestrebt werden, oder der Rückgriff auf neue Wissenspools. Aber auch Fachkräfte spielen eine große Rolle. Dabei greifen diese Gründerinnen und Gründer nicht nur auf lokale Ressourcen zurück, sondern haben einfach einen globaleren Blick. Damit sind sie entsprechende Brückenbauer und bringen neues externes und frisches Wissen mit. Damit tragen sie erheblich dazu bei, dass in Regionen ein kritischer Lock-In verhindert wird.“, erläutert Susann Schäfer weiter. Hier wird wie bereits in der SpacEconomics-Folge zu Wissenstransfer und Corona deutlich, dass diese Offenheit der Regionen einen erheblichen Einfluss auf ihre Entwicklung nehmen kann. Vor allem auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel und die Schwierigkeit, diesem mit endogenen Potenzialen zu begegnen, ist der überregionale und transnationale Blick der GründerInnen für Regionen interessant. Entsprechend geht es in Susann Schäfers Forschung nicht nur um die Netzwerke der GründerInnen, sondern vor allem auch um die Verbindungen zwischen einzelnen Unternehmensgründungsökosystemen.

„Aus wirtschaftsgeographischer Sicht sind vor allem die Fragen interessant,
warum es Regionen gibt, die ein erhöhtes Aufkommen an Unternehmensgründungen vorweisen können
und warum das in anderen Regionen nicht der Fall ist.“ – Susann Schäfer

Dabei wird in ihrer Forschung deutlich, dass bestimmte Ökosysteme besser funktionieren als andere und von den Potenzialen, die die GründerInnen mitbringen, in besonderer Weise Gebrauch machen können. „Aus wirtschaftsgeographischer Sicht sind vor allem die Fragen interessant, warum es Regionen gibt, die ein erhöhtes Aufkommen an Unternehmensgründungen vorweisen können und warum das in anderen Regionen nicht der Fall ist.“, fährt Susann Schäfer fort. „Der Erfolg dieser Ökosysteme ist in besonderem Maße davon abhängig, dass alle Teilaspekte, die so ein Ökosystem zusammensetzen, gut miteinander harmonieren und alle Teilbereiche funktionieren.“, ergänzt sie weiter. So zeigt sich in der Darstellung von Daniel Isenberg (2011: 7), dass neben Humankapital und einer unterstützenden Politik auch der Zugang zu Märkten, vorhandene Unterstützungsangebote, Zugang zu Finanzen und nicht zuletzt bestimmten gesellschaftlichen Einstellungen bedarf. Zu letzterem zählen zum Beispiel nicht nur eine bestimmte Fehlerkultur und sichtbare Erfolgsgeschichten von GründerInnen, sondern auch ein gewisser sozialer Status der GründerInnen in der Gesellschaft.

Darstellung der Bestandteile eines Entrepeneurial Ecosystems von Daniel Isenberg (2011: 7)

„Es ist unglaublich, wie diese Unternehmenskultur überall vorhanden ist.
Man kommt dann auch mit Menschen in Kontakt, die keine UnternehmensgründerInnen sind,
die einem dann aber auch sagen: ‚Ja, aber ich will ein Unternehmen gründen‘.“ – Susann Schäfer

Im auch als Start-Up-Nation bezeichneten Israel wird diese notwendige gesellschaftliche Atmosphäre sehr deutlich. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass Susann Schäfer sich auch in ihrem Habilitationsprojekt mit dem Standort auseinandersetzt. So erklärt sie: „Es ist unglaublich, wie diese Unternehmenskultur dort überall vorhanden ist. Man kommt dann auch mit Menschen in Kontakt, die keine UnternehmensgründerInnen sind, die einem dann aber auch sagen: ‚Ja, aber ich will ein Unternehmen gründen.‘“. Doch während die Start-Up-Nation als Fallstudie interessant ist, ist der Vorwurf, dass es nicht um ein repräsentative Sample handelt, nicht weit. Entsprechend erstreckt sich Susann Schäfers Forschung nicht nur auf Israel, sondern weitere Start-Up-Ökosysteme, wie z.B. in Berlin oder auch Tallinn. „Die Ökosysteme nicht nur im Vergleich, sondern auch mit ihren Beziehungen und Verbindungen untereinander zu untersuchen, ermöglicht noch einmal viel besser, die Erfolgsfaktoren und den Einfluss von zum Beispiel Gründerinnen und Gründern mit Migrationsgeschichte zu erforschen.“, führt Susann Schäfer weiter aus. Wenngleich ihr Fokus auf Unternehmen zu liegen scheint, geht es ihr im Kern jedoch um die Menschen:

„Mein Wunsch ist, dass ich mit meiner Forschung auch dazu beitrage,
dass Menschen mit Migrationserfahrung nicht als Belastung für die Wirtschaft betrachtet werden,
sondern als Personen, die wichtige Kompetenzen und Assets mitbringen, an denen wir Interesse haben.
Dafür als Gesellschaft offener zu werden, wäre meine Hoffnung.“ – Susann Schäfer

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