Interko2 – Interkommunales Flächenmanagement


In dieser Project-Insights Folge von SpacEconomics spricht Anika Zorn mit Björn Braunschweig über sein vom BMBF gefördertes Projekt Interko2 und darüber

  • was ein interkommunales Wohnflächenkonzept überhaupt ist,
  • welche Datengrundlagen dafür genutzt werden,
  • inwiefern regionale Kooperationen für alle Beteiligten vorteilhaft ist,
  • warum Umlandkommune“ kein besonders förderlicher Ausdruck ist,
  • welche Rolle Verständnis und Wissen spielen,
  • wie sich nachhaltiges Flächenmanagement definieren lässt und
  • warum Investitionen außerhalb von Kernorten für Haushalte und Kommunen Risiken bergen.

Fragen, Kommentare, Anregungen und Themenwünsche gern in die Kommentarbox schreiben.

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The Long Read

Diese Project-Insights Folge von SpacEconomics beschäftigt sich mit dem Projekt „Interko2 – Wohnflächenmanagementkonzept in großstädtischen Wachstumsräumen“, welches vom BMBF gefördert wird und in dem der Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie der Uni Jena nach dem Lead- , dem Leibniz-Institut für Länderkunde, der zweite wissenschaftliche Partner ist. In dem Projekt geht es darum, dem Druck auf den Wohnungsmarkt in den Oberzentren Leipzig, Halle und Jena gerecht zu werden, das Wachstum regional zielführend zu steuern und gleichzeitig der Zersiedelung entgegenzuwirken. Geleitet wird das Projekt, welches in die Förderrichtlinie FONA eingebettet ist, vom Grundgedanken eines nachhaltigen Flächenmanagements. Das bedeutet, dass die bestehenden und zukünftigen Wohnflächen einerseits ressourcenschonend und andererseits bedarfsorientiert entwickelt werden.

„Eine riesige Herausforderung ist es, ein gemeinsames Verständnis für ressourcenschonendes und bedarfs-orientiertes Flächenmanagement zu schaffen. Dabei fehlt zumeist die regionale Perspektive der Bedarfe. Was gleichzeitig verständlich ist, da die Bürgermeister:innen erst einmal für die eigenen Kommune zuständig sind.“
– Björn Braunschweig

Um die vorhandenen Herausforderungen und das bisherige Verständnis abzufragen, wurden mit 23 BürgermeisterInnen ExpertInneninterviews geführt. Hinzukommen 15.000 Fragebögen für BürgerInnen in der Untersuchungsregion. Das Team versucht aus all diesen Informationen zusammen mit Auswertungen von Daten der Statistischen Landesämter besonders geeignete Orte für die nachhaltige Entwicklung und Bereitstellung von Wohnflächen zu identifizieren. Dabei kommt es vor allem auf ein gemeinsames Verständnis an, was nachhaltiges und regionales Flächenmanagement für Vorteile für die Kommunen bringt. „Eine riesige Herausforderung ist es, ein gemeinsames Verständnis für ressourcenschonendes und bedarfsorientiertes Flächenmanagement zu schaffen. Dabei fehlt zumeist die regionale Perspektive der Bedarfe. Die Kommunen denken, dadurch, dass das Oberzentrum in den letzten Jahren so stark gewachsen ist, kommt das Wachstum in erheblichem Maße in jede einzelne Kommune. Also will jede Bürgermeisterin und jeder Bürgermeister die eigene Kommune besonders entwickeln. Das ist gleichzeitig verständlich, da die Bürgermeister:innen natürlich erst einmal für die eigenen Kommune zuständig sind.“, erläutert Björn Braunschweig.

Aufgrund der Demographie zeigt sich, dass auch dort, wo wir derzeit relativ wenig Leerstand in
stärker ländlich geprägten Räumen haben, in zwanzig Jahren struktureller Leerstand aufgrund
der natürlichen Bevölkerungsentwicklung ein Problem wird.
– Björn Braunschweig

Die Nachteile zeigen sich jedoch vor allem dann, wenn die langfristigen demographischen Entwicklungen betrachtet werden. „Wir rechnen aufgrund der Demographie damit, dass in circa zwanzig Jahren der Leerstand steigen wird, da die Personen , die derzeit noch die Häuser bewohnen, schlicht und ergreifend sterben werden.“, ergänzt er. Davon dürften auch Kommunen betroffen sein, in denen struktureller Leerstand bisher nur ein geringes oder gar kein Problem war. Das einseitige Angebot mit hohem Flächenverbrauch – Ein- und Zweifamilienhäuser in kürzlich entwickelten Neubaugebieten – verschärfen diese Entwicklung, da sich auch dort aufgrund der homogenen Bevölkerungsstruktur dasselbe Probleme, nur zeitlich versetzt, auftreten dürfte.

Eine gute Anbindung an den öffentlichen – und vor allem schienengebundenen – Nahverkehr
sowie eine langfristig gesicherte Versorgungsstruktur sind Kernmerkmale für Orte,
die langanhaltendes Potenzial als Wohnstandorte bieten.
– Björn Braunschweig

Umso wichtiger ist es, die Region gemeinsam mit allen Beteiligten zu entwickeln. Dazu trägt auch die Vielzahl an Praxis-PartnerInnen bei. Neben dem Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften und der JenaWohnen GmbH ist auch der Mitteldeutsche Verkehrsverbund an Bord. „Eine gute Anbindung an den öffentlichen – und vor allem schienengebundenen – Nahverkehr sowie eine langfristig gesicherte Versorgungsstruktur sind Kernmerkmale für Orte, die langanhaltendes Potenzial als Wohnstandorte bieten.“, erläutert Braunschweig. Das gesamte Konzept, mit klar definierten Potenzialräumen soll, um die Region langfristig gut aufzustellen, durch ein Monitoringsystem unterstützt werden. Anhand von im Verbund festgelegten Indikatoren kann die Entwicklung so beständig nachvollzogen werden. „Dabei ist für uns auch der Austausch mit dem Partnerprojekt StadtLandNavi extrem hilfreich. Gemeinsam mit entwickeln wir mit anderen Projekten des StadtLandPlus-Gesamtvorhabens ein Set an Indikatoren, das auf verschiedene Untersuchungsansätze und Regionen angepasst werden kann.“, führt Björn Braunschweig weiter aus.

Es geht nachher gar nicht mal unbedingt um die konkrete Ausgestaltung des Konzepts. Es geht vor allem darum,
dass die Kommunen verstehen, warum das so wichtig ist und warum sie auch langfristig davon profitieren,
wenn sie nicht permanent neu ausweisen oder neue Häuser bauen.
– Björn Braunschweig

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