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JTalks | Chinesische Mega-City-Regions und deutsche Metropolregionen – ein Vergleich von Äpfeln und Birnen?


In der zweiten Folge der Audioversion der Jena Talks in Economic Geography (JTalks) ist Jun.-Prof. Dr. Anna Growe von der Universität Heidelberg zu Gast und unterhält sich mit Björn Braunschweig über Steuerung und Governance von Metropolregionen sowie die Frage, inwiefern chinesische Mega-City-Regions und deutsche Metropolregionen voneinander lernen können. Dabei es unter anderem darum,

  • wie ein Vergleich dieser Regionstypen überhaupt möglich ist,
  • inwiefern politischer Wille und lange Traditionen für die Governance von Regionen entscheidend sind,
  • wie Flächenmanagement neben ökologischer, auch soziale und wirtschaftliche Regionalentwicklung fördert,
  • wie Wissenstransfer in globalen Forschungsprojekten ganz praktisch wird und fast „nebenher“ passiert und
  • warum die Idee eines Vergleichs dieser unterschiedlichen Regionen eben keine schlechte ist.

Fragen, Kommentare, Anregungen und Themenwünsche gern unten in die Kommentarbox schreiben.

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Metropolregionen sind zuallererst überstädtische Agglomerationsräume. Das heißt, sie beinhalten mindestens eine große Stadt (Metropole), um die herum die sonstige Region organisiert ist. Dabei sind diese Regionen durch eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionen geprägt, über die sie gleichzeitig auch definiert werden können: So braucht es einen bedeutenden Verkehrsknotenpunkt, eine bestimmte Bevölkerungsdichte und sie müssen eine nationale Bedeutung als Wirtschaftsstandort haben sowie auch internationale Vernetzungen aufweisen. Soweit so verständlich. Spannend wird es jedoch, wenn man sich – so wie Anna Growe – mit den nationalen und internationalen Spezialisierungen dieser vernetzen Regionen oder auch ihrem inneren politischen Geflecht auseinandersetzt.

„Während wir auf der einen Seite in den Mega-City Regions rasante Entwicklungen wie in
einem Brennglas beobachten und dadurch auch Einflussfaktoren und Chancen identifizieren können,
sehen wir auf der anderen Seite in Deutschland lange Traditionen und gefestigte Strukturen,
die die Steuerung der Regionalentwicklung über Bundeslandgrenzen hinweg ermöglichen.“
Jun.-Prof. Dr. Anna Growe

Dr. Anna Growe ist seit 2019 Junior-Professorin für Regional Governance an der Universität Heidelberg und beschäftigt sich neben klassischen Flächenmanagementsthemen bereits seit ihrem Studium mit Metropolregionen. Für die Jena Talks in Economic Geography hat sie uns in einen Vergleich von chinesischen Mega-City-Regions und deutschen Metropolregionen mitgenommen und ist der Frage nachgegangen, wer hier eigentlich von wem lernen kann. Dass die Beantwortung nicht ganz einfach ist, zeigt bereits ein Größenvergleich der Untersuchungsgegenstände.

Mega-City Region (China)EinwohnerInnen*
Yangtze-River Delta ( u.a. Shanghai)ca. 152 Mio.
Jing-Jin-Ji (u.a. Beijing)ca. 112 Mio.
Pearl-River Delta (u.a. Shenzen)ca. 56 Mio.
*sind als Näherungswerte zu verstehen, da sich Definitionen und Zählweisen je Quelle erheblich unterscheiden.
Metropolregion (BRD)EinwohnerInnen*
Rhein-Ruhr (u.a. Köln)ca. 10,7 Mio.
Berlin-Brandenburgca. 5,9 Mio.
Rhein-Main (u.a. Frankfurt a.M.)ca. 5,5 Mio.
* BBR 2010

Doch trotz dieser Unterschiede erlaubt ein Perspektivenwechsel den Vergleich: So konzentriert sich Anna Growe eher auf Strukturen und Prozesse der Steuerung dieser Regionen. Hier zeigt sich, dass auch die Herausforderungen des Flächenmangements ähnlich gelagert sind. So kämpfen chinesische Mega-City Regions ebenso wie viele deutsche Metropolregionen mit einer Verdrängung von landwirtschaftlicher Fläche durch neue Baustandorte und weisen aufgrund der Verdichtungen erhöhte Luftbelastungen auf. Beide Regionstypen haben zudem die Stellschraube des strategischen Flächenmanagements für die Lösung dieser Probleme entdeckt, stehen aber auch hier vor ähnlichen Problemen. Da Flächenverbrauch und Entwicklungen nicht an administrativen Grenzen halt machen, braucht es zwischen den Gebietskörperschaften eine entsprechende Zusammenarbeit. Dies wird in Deutschland, z.B. im Rahmen der Regionalplanung, durch unterschiedliche Zuständigkeiten und Gesetzgebungen erschwert, wie auch das Interko2-Projekt des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeographie in den vergangenen Jahren gezeigt hat.

„Die Zusammenarbeit über administrative Grenzen hinweg ist eine derartige Herausforderung,
dass es dafür zwingend den politischen Willen braucht. Entsprechend ist die Rhein-Neckar-Region,
in der sich auch Heidelberg befindet, ein spannendes Beispiel. Sie ist zwar noch relativ jung,
aber da sie aus dem Wunsch der PolitikerInnen entstanden ist, gibt es hier sogar einen
einheitlichen Regionalplan, obwohl sich das Gebiet über drei Bundesländer erstreckt.“
Jun.-Prof. Dr. Anna Growe

Doch trotz all dieser Widrigkeiten, die auch den Forschungsalltag nicht leichter machen, bleibt es in der Forschung von Anna Growe spannend. So können wir uns aus den derzeit noch laufenden Projekte, wie z.B. zum Pearl-River- und zum Yangtse-River-Delta, noch auf einige Publikationen freuen und darüber hinaus werden auch Projekte zu den kleinen Geschwistern der Metropolregionen folgen: Regiopolen und Regiopolregionen. Zusammen mit Fragestellungen zu Arbeitsorten in ländlichen Räumen bleibt Anna Growe somit auf allen Ebenen der globalen Wissensökonomie unterwegs.

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